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Andrang am Theaterbus

Verena Zeltner bei Lesungen unterwegs

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Verena Zeltner liest im Theaterbus auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Marius Koity

Gut unterwegs war dieser Tage die Schriftstellerin Verena Zeltner aus Neustadt/Orla. Bei der Leipziger Buchmesse trat sie vor der Halle 2 im Theaterbus des Theaters der Jungen Welt auf (Foto). Weil der Andrang und das Interesse der Jugendlichen so groß war, wurden aus einer geplanten Lesung gleich zwei Buchvorstellungen.

Anfang dieses Monats dann stellte sie ihren Erfolgstitel „ICEzeit“, der den Drogenkonsum Jugendlicher thematisiert, vor Siebt- und Achtklässlern in der Regelschule Remptendorf vor.
Schüler der neunten und zehnten Klasse der Brückenschule in Aschara füllten am 8. April den Klassenraum, als Verena Zeltner dort die „ICEzeit“ vorstellte. (kj)

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Wie schreibt man für Kinder?

Die Erfurter Autorin Ingrid Annel zu Gast im Haus Dacheröden / 13. Runde der Veranstaltungsreihe „Traumberuf: Schriftsteller?“

 

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Die Erfurter Schriftstellerin Ingrid Annel hat zur Leipziger Buchmesse zwei neue Titel vorgestellt. Foto: Privat

Wie schreibt man eigentlich für Kinder? Die Erfurter Schriftstellerin Ingrid Annel hat eine mögliche Antwort parat. „Genauso, nur anders oder besser.“
Am Donnerstag, dem 18. April, ist sie zu Gast im Erfurter Haus Dacheröden. Zum 13. Mal bereits lädt der Schriftstellerverband Thüringen zu seiner Veranstaltungsreihe „Traumberuf: Schriftsteller?“ ein. Ingrid Annel, die sonst immer selbst zu den Moderatoren gehört, wird ab 19.30 Uhr von der Erfurter Journalistin Birgit Kummer und vom Bad Tabarzer Verleger Siegfried Nucke ins Kreuzverhör genommen. Der Eintritt ist wie immer frei.

Im Gepäck hat Ingrid Annel ihre beiden neuesten Bücher, die zur Leipziger Buchmesse erschienen sind: „Von Hexentanz und Silberglanz – Sagen aus dem Harz“ und „Ein Kleid, ganz aus Schnee – Märchenhafte Geschichten“, die sie an diesem Abend auch mit einer Leseprobe vorstellen wird.
Die Erfurter Autorin schreibt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Am liebsten schreibt sie für Kinder, und zwar so, dass auch Erwachsene die Geschichten mit Genuss und Gewinn lesen können. Ihre Vorliebe gilt Märchen und Sagen. In mehreren Büchern hat sie Sagen unterschiedlicher Regionen und „Die schönsten Märchenklassiker“ für heutige Leser neu erzählt. Daneben spinnt sie gern den Faden bekannter Märchen weiter, stellt sie spielerisch auf den Kopf oder erfindet eigene Märchen.
Durch die intensive Einbindung in ein Netzwerk professioneller Kinderbuchautoren kann Ingrid Annel nicht nur einen Einblick in die eigene Schreibwerkstatt bieten, sondern auf vielfältige Weise über den Literaturbetrieb, über Verlagssuche, über Erfahrungen im Umgang mit größeren und kleineren Verlagen informieren. Und ganz aktuell kann sie über eine große Lesereise kreuz und quer durch Finnland berichten. (kj/ua)

 

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Erfurter Autorenpaar auf Lesereise

Ingrid und Ulf Annel zu Gast in Finnland

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Ingrid und Ulf Annel auf Lesereise in Finnland. Foto: Privat

Acht Tage, acht Städte, 13 Veranstaltungen. Das war eine durchaus sportliche Lesereise, die Ingrid und Ulf Annel von Ende März bis Anfang April in Finnland absolvierten. Akribisch organisiert wurde die Tournee von Paula Schuth, der Geschäftsführerin des Verbandes der finnisch-deutschen Vereine. Vor Ort kümmerten sich die Vereinsmitglieder in freundlicher und oft sehr familiärer Weise um die Kulturreisenden. Wenn man sich die Geografie Finnlands vergegenwärtigt und die Tourneestationen anschaut – Oulu, Jyväskylä, Tampere, Helsinki, Joensuu, Savonlinna, Turku und Salo – dann weiß man, dass große Strecken zwischen den Leseorten zurückzulegen waren. Aber die finnische Bahn fuhr genauso pünktlich wie die Überlandbusse. Nur der Flug in den verschneiten Norden war etwas verspätet.
Das vielseitige Angebot der Annels führte zu großer Nachfrage nicht nur bei den Vereinen, sondern auch bei mehreren Schulen mit Deutschunterricht, einem deutschsprachigen Kindergarten und der Deutschen Bibliothek in der Hauptstadt Helsinki. Unterstützt wurde die Lesereise von der Aue-Stiftung, eine private Stiftung, die in Finnland die Kenntnis der deutschen Kultur und deren Wechselwirkung mit Nordosteuropa fördert. Und so konnten finnisch-deutsche und deutsch-finnische Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie deutsche Muttersprachler auf Auslandseinsatz dem Autorendoppel-Anekdotenabend „Der schillernde Friedrich“, Vorträgen zu Ringelnatz und dem Witz in der deutschen Sprache sowie dem Erzähltheater „Dornröschen und das kleine Gespenst“ lauschen. (an)

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Wie Bücher laufen lernen

Romy Gehrke im Kreuzverhör / 12. Veranstaltung in unserer Reihe „Traumberuf: Schriftsteller?“

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Zu Gast am 28. März im Haus Dacheröden: Kulturjournalistin Romy Gehrke

Wie weckt man in zwei Minuten beim Fernsehzuschauer die Neugier auf einen dicken Roman? Die Kulturjournalistin Romy Gehrke (bekannt unter anderem von der „Bücherkiste“ des MDR-Fernsehens) steht dazu am 28. März ab 19.30 Uhr im Erfurter „Kultur:Haus Dacheröden“ Rede und Antwort.
Romy Gehrke erlernte zunächst die Schauspielkunst in Frankfurt a. Main, um nach einigen Jahren auf der Bühnen noch einmal den Sprung von den Brettern in den Hörsaal zu wagen: An der Humboldt-Universität studierte sie Kulturwissenschaften bei Friedrich Kittler. Als Kulturjournalistin beginnt ihre Laufbahn beim MDR-Rundfunk. Über die Jahre versucht Romy Gehrke, der Literatur mehr Sendezeit und Aufmerksamkeit im Fernsehen zu verschaffen. Die Kombination aus Schauspielerblick und Kulturwissenschaftlerin ermöglicht es ihr, unkonventionelle und spielerische Fernsehbeiträge zu produzieren. Wie diese manchmal unter den abstrusesten Bedingungen entstehen und wie man in wenigen Minuten einen ganzen Roman im Fernsehen vorstellen kann, davon erzählt sie an diesem Abend.
Die Gesprächsrunde ist nun schon die 12. Folge in der Veranstaltungsreihe „Traumberuf: Schriftsteller?“ Der Eintritt zu der moderierten Gesprächsrunde ist frei! (ot/kj)

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Vom Zauber der Sterne

„Der besondere Ort“ – Elisabeth Dommer liest im Teehaus Altenburg

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Elisabeth Dommer: Der unheimliche Zauber der Sterne. Shaker Media, 2019

Nicht nur in der Metropole Leipzig steht am kommenden Messe-Wochenende das Buch im Mittelpunkt. Auch in Ostthüringen geht es um Literatur.
In der diesjährigen Auftaktveranstaltung zur VS-Reihe „Der besondere Ort“ feiert am Samstag (30. März) ab 19.00 Uhr im Teehaus Altenburg Elisabeth Dommers neues Buch „Der unheimliche Zauber der Sterne“ seine Premiere.

Elf Geschichten auf 240 Seiten kommen häufig phantastisch, manchmal kosmisch, immer aber menschlich daher. Eine der ältesten Storys in diesem Erzählband hat sogar einen direkten Bezug zum Veranstaltungsort. Was für einen? Davon darf sich der Gast gerne überraschen lassen. Er kann dabei sein, wenn Jeremias einer Nixe begegnet. Er kann Ashley bei einem seltsamen Trip auf den Mars begleiten, sich von unbekannten Objekten am Himmel anregen lassen und etwas erfahren über die höchst ungewöhnlichen Wege, über die sich ein Paar am Meer findet.

Und nicht nur das gesprochene Wort steht an diesem Abend im Mittelpunkt: Die Cellistin Tatjana Pospelova wird passend zu den Texten ein vielfältiges Programm bieten – von klassischer Musik aus ihrer ukrainischen Heimat über einen Tango von Astor Piazolla bis hin zum schwungvollen „Hava Nagila“. Da ist es für Elisabeth Dommer keine Frage, dass sie auch jene Geschichte lesen wird, zu der so von einem Kunstmärchen von Nikolai Gogol inspiriert worden ist.

Eintrittkarten für die Buchpremiere, die der „Teehaus Altenburg Förderverein e.V.“ veranstaltet, gibt es in der Altenburger Tourist-Information, in der Geschäftsstelle der Osterländer Volkszeitung am Markt 10 und an der Abendkasse. (kj)

Weihnachtslesung am 8. Dezember 2018

14 Uhr im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt

Ein Haus voller Geschichten für Jung und Alt – Thüringer AutorInnen lesen zur Weihnachtszeit am 8. Dezember im Kultur: Haus Dacheröden

Sonnabend, 8. Dezember 2018, 14:00 Uhr
Kultur: Haus Dacheröden, Anger 37, 99084 Erfurt
Eintritt: Normalpreis € 12,- / ermäßigter Preis € 10,- / Kinder € 5,- Die Einnahmen gehen als Spende an das „Restaurant des Herzens“ – ein Projekt der Stadtmission Erfurt.

Aus ganz Thüringen reisen Autorinnen und Autoren des Thüringer Schriftstellerverbandes an und bringen neue Bücher und Geschichten mit, die sie im Kultur: Haus Dacheröden auspacken. Drei Stunden lang gibt es eine Vielzahl von Lesungen: humorvoll, spannend, märchenhaft, kriminell – für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Mitwirkende: Matthias Biskupek, Ulf Annel, Johanna Marie Jakob, Volker Henning, Ingrid Annel, Rudolf Köhler, Landolf Scherzer, Sieglinde Mörtel, Anke Engelmann, Siegfried Nucke, Holger Uske, Gerald Höfer, Jörg Dietrich, Anne Gallinat, Verena Zeltner, Frank Quilitzsch, Jens-Fietje Dwars, Rainer Hohberg, Heidrun Jänchen

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Manuskriptwanderung 2018

Georgenthal

Mit Riesenschritten naht der Herbst, die schönste Zeit zum Wandern. Wir Autoren des Thüringer Schriftstellerverbands konnten es nicht erwarten und haben schon mal vorgelegt. Indem wir eines der spätsommerlichen Wochenenden für unsere Manuskriptwanderung nutzten. Zur Erinnerung: Wir wandern jedes Jahr an einem anderen Ort. So lernen wir Schritt für Schritt unsere Heimat kennen und finden am Abend noch Zeit für die Manuskripte, die wir einander vorlesen und, wo nötig, auch um die Ohren hauen. Diesmal ging es von Georgenthal nach Tambach-Dietharz und wieder zurück. Das sind zwar nur zehn Kilometer. Doch wenn man die Strecke mit unserem Durchschnittsalter – ca. 67,247 Jahre – verrechnet, werden daraus gefühlte 30 bis 40. Mit anderen Worten: Wir fühlten uns am Sauriererlebnispfad wohl.

Ich trottete am Ende und wunderte mich über die großen, schweren Rucksäcke meiner Vorgänger. Was war drin? Proviant in flüssiger und fester Form. Vor allem die Frauen schleppten schwer an großen Wasserflaschen, mittelgroßen Knackwürsten und Schweizer Taschenmessern. Ich frage mich, woher die Furcht rührt, im Thüringer Wald zu verhungern. Es ist vielleicht die archaische Urangst, so zu enden, wie die Saurier: auf dem Bromacker. Und nichts zu hinterlassen als einen Haufen Knochen. So trägt eben ein jeder sein Schneckenhaus auf dem Rücken. Kollege Klaus J., ein passionierter Krimischreiber aus Apolda, kam gleich im Schneckenmobil. Er parkte es hinterm Hotel und verbrachte auch die Nacht darin. Am anderen Morgen durften wir seine rollende Schreibstube besichtigen. Zuvor mussten wir unsere Wanderschuhe ausziehen. Nacheinander tappten wir über frisch gesaugte Teppiche, bestaunten blitzende Armaturen – die Temperatur, Wasser-, Öl-, Batterie- und Manuskriptstand anzeigen – und stellten uns vor, wie unsere eigene Textproduktion in dieser Umgebung sprudeln würde. Da ist alles drin, was man zum Schreiben braucht: ein Tisch, ein Drehsessel und die Spirituosenbar. Wenn er hungrig ist, öffnet Klaus J. die Kühlschranktür. Wird er müde, rollt er sich im Hinterteil seines Schneckenmobils auf der Matratze zusammen. Und lässt die Inspiration nach, klemmt er sich hinters Steuer und rollt ein paar Kilometer weiter. An welchen Orten mögen wohl seine Regionalkrimis entstanden sein – „Die Bratwurst“, die „Thüringer Quelle“ und die „Rennsteig-Schwalben“? Hat der mobile Schreibtischtäter zuvor den jeweiligen Tatort inspiziert? Haben ihm Tramper den einen oder anderen Hinweis geliefert? Manchmal, verrät Klaus J., parke er sein Schneckenmobil am Hang, damit beim Duschen das Wasser besser ablaufe. In solcher Schräglage entstehen vermutlich auch seine besten Texte. / Frank Quilitzsch / TLZ 10.09.2018 /

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Manuskriptwanderung 2017

Lehesten / Thüringer Schiefergebirge

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Es gehört zu den Tugenden der Thüringer Schriftsteller, einmal jährlich wandernd die Heimat zu erkunden. Diesmal sind wir im Schiefergebirge unterwegs. Wir logieren am Staatsbruch Lehesten und können vom Fenster aus direkt in den mit Wasser gefüllten Abgrund blicken. Die größten Schieferbrüche Europas sind heute Naturschutzgebiet und technisches Denkmal. Am ersten Abend fahren wir ins Städtele, um in der zur Bücherstube umgestalteten Schlecker-Filiale vor Einheimischen zu lesen. Es ist sehr lustig. Als Antje Babendererde an die Reihe kommt, schlägt die Stimmung um. Babendererdes Bücher, das weiß man, sind mit Vorsicht zu genießen. Bislang schrieb die Liebengrüner Autorin vor allem über Indianerreservate in Kanada und den USA, die sie regelmäßig besucht. Dann kam sie auf Isegrim. So heißt ihr Heimatroman, in dem ein Wolf den ehemaligen Truppenübungsplatz von Ohrdruf heimsucht und Schafen die Kehle durchbeißt. Nur Wochen nach der Veröffentlichung des Romans erschien der Wolf tatsächlich und hält uns bis heute in Atem. Antje Babendererde hat ihn quasi herbeigeschrieben.

Nun, in Lehesten, liest sie aus einem Jugendroman „Der Kuss des Raben“, der im Schiefergebirge spielt. Plötzlich kommen ihr Bedenken, weil die Gegend, die sie beschreibt, so grau und trist wirkt. Sie möchte niemanden im Publikum beleidigen. Aber wieso, rufen die Zuhörer verwundert, unsere Gegend ist doch grau und trist. Schiefergrau, um genau zu sein. Nur sind sich die Leute nicht sicher, ob es in Lehesten auch einen küssenden Raben gibt. Krähen ja, aber Raben? Zumindest wurde noch keiner gesichtet. Wie unterscheidet man eigentlich einen Kolkraben von einer Nebelkrähe?, frage ich meine Kollegin. Das sei sehr schwierig, erfahre ich. Der Rabe sei stattlicher, habe einen etwas größeren, leicht gebogenen Schnabel, und sein schwarzes Gefieder schimmere im Licht leicht grün-violett. Aber so etwas sieht man doch nicht aus der Ferne! – Gut, dann wolle sie mir mal ein Geheimnis verraten, sagt Antje, die wie immer akribisch recherchiert hat. Raben, behauptet sie, können sich während des Fluges auf den Rücken drehen. Ich bin baff. Auch als sie am nächsten Abend – da lesen wir aus unseren noch unfertigen Manuskripten – ihr neues Buch vorstellt, in dem es um Hexen geht. Hexen in Lehesten? Nicht doch, wiegelt Antje Babendererde ab. Dieser Roman spiele wieder in einem Indianer-Reservat in den USA. Trotzdem, ich bin gewarnt. Auf dem Weg zum Hotel kommt mir in der Dunkelheit ein altes Mütterchen entgegen. Ein lautes Krächzen. Ich blicke hoch, wo ein Schwarm schwarzer Vögel über uns kreist. Sie fliegen auf dem Bauch. Frank Quilitzsch / TLZ 18.09.2017 /

Manuskriptwanderung 2016

Eisenach / Hörselberge

Am Wochenende wanderten 27 Schriftsteller im Frühtau singend zu Berge. Ein jeder mit einem Manuskript im Rucksack. Das hat hier Tradition. Seit 1996 trifft man sich im September zur gemeinsamen Manuskriptwanderung.

„Morgens nicht zu sprechen!“ So steht es, noch immer, an der Pforte der Fritz-Reuter-Villa zu Eisenach. Schlafen Schriftsteller etwa lange oder schaffen sie schon in aller Herrgottsfrühe?

Am Wochenende wanderten sie im Frühtau singend zu Berge – 27 Mitglieder des Thüringer Verbands. Ein jeder mit einem Manuskript im Rucksack. Das hat hier Tradition. Seit 1996 trifft man sich im September zur gemeinsamen Manuskriptwanderung. Erst glühen die Sohlen, dann liest man sich den Mund fusselig, und am Ende fliegen die Fetzen. Jeder darf seine literarischen Ergüsse frei vortragen, wenn er sich traut.

Wer hat diesen neuzeitlichen Sängerkrieg eigentlich erfunden? Die Ältesten unter uns erinnern sich: Der Scherzer war‘s, der vor 20 Jahren erstmals dafür die Trommel rührte. Seither durchwandern wir jährlich unser Heimatland, immer in einer anderen Region.

Wir waren in Heiligenstadt und in Röttelmisch, in Tautenburg und in Greiz, stapften von Plothen zum Rittergut Knau, folgten Novalis von Weißensee nach Grüningen und haben bei Steinheid nach Gold geschürft. Dem Bücherpfarrer Weskott stiegen wir auf die Burg, mit drei Kollegen aus Niedersachsen im Schlepp. Einmal pilgerten wir auch mit Freunden durch Bayern. Die kürzeste Route führte von Großjena durch ein Weingut und endete nach zwei Kilometern – in der Tränke.

Diesmal, bei Eisenach, ist alles perfekt: der Weg zum Hörselberg, das Wetter, die Kneipe, selbst das Hotel mit seinen Wackeltischen, unter die man Bierdeckel klemmt.

Und der Sängerkrieg?

Ist nur geklaut. Nicht von Wagner, von der Gruppe 47. Dort zerriss man sich einst über den Jungautor Günter Grass die Mäuler. Einen Grass haben wir nicht, doch jede Menge in die Jahre gekommene junge Autoren. Eigentlich müssten wir uns jetzt, im Gasthof „Am Storch“, die Manuskripte um die Ohren hauen, doch wir streiten nur. Um Verse, Sätze und Worte. Mark Twain sagte einmal, die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten hätten die Zeit, sie zu erlernen. Dagegen schreiben und wandern wir an.

Frank Quilitzsch / OTZ 27.09.2016/

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