Der alte Vorstand wird verabschiedet. Von links: Frank Quilitzsch, Ulf Annel, Ingrid Annel, Olaf Trunschke, Klaus Jäger, Siegfried Nucke. Auf dem Bild fehlen Antje Babendererde und Anne Gallinat.
Foto: Kerstin Chagoubi, Verdi

Neuer Vorstand gewählt

Schriftstellerverband Thüringen mit reichlich Aufgaben für die Zukunft

Der alte Vorstand wird verabschiedet. Von links: Frank Quilitzsch, Ulf Annel, Ingrid Annel, Olaf Trunschke, Klaus Jäger, Siegfried Nucke. Auf dem Bild fehlen Antje Babendererde und Anne Gallinat.
Foto: Kerstin Chagoubi, Verdi

 

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit trafen sich am Samstag die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Thüringens zu ihrer Mitgliederversammlung – nach einer von Coronabeschränkungen geprägten Legislatur gleichzeitig Wahlversammlung. Bei relativ geringer Beteiligung fiel im Konferenzraum der Stadtwerke Erfurt zunächst eine gewisse Verjüngung ins Auge. Das ist kein Wunder – mit Dorothee-Eva Herrmann, Marlene Hofmann, René Müller-Ferchland und Stefan Wogawa sind in den letzten Jahren vier Schriftsteller zum Berufsverband gestoßen, die den Altersdurchschnitt deutlich drücken. Und genau dieser Altersdurchschnitt ist – nicht nur in Thüringen – eines der Probleme des Verbandes.

Versammlungsleiter Klaus Jäger indes hatte nicht viel Mühe mit seiner Aufgabe – im Gegensatz zu den Gothaer Turbulenzen beim PEN blieb die Erfurter Versammlung des VS von einer zwar streitbaren, aber sachlichen Atmosphäre geprägt. VS-Vorsitzender Olaf Trunschke ließ beim Rechenschaftsbericht die jeweiligen Teilbeiträge von den dafür zuständigen Vorständen referieren. So sprach Ulf Annel über Werbung und die Auftritte zur Buga, Frank Qulitzsch über die Reihe „Poesie & Politik“, Siegfried Nucke über den „Traumberuf im Porträt“, Ingrid Annel über die 2020 zusammengestellte Online-Anthologie und Klaus Jäger über die digitalen Auftritte des VS und die Mitgliederwerbung. Olaf Trunschke selbst informierte über die letzten Manuskriptwanderungen, die Veranstaltungsreihen im Haus Dacheröden und die Kasse. Gerade Letzteres ist nicht einfach, da der Verband erst vor wenigen Wochen seine Schatzmeisterin Verena Zeltner verlor. Von ihr sowie von Rudolf W. Berger, Peter Drescher und Matthias Biskupek verabschiedeten sich die Anwesenden mit einer Schweigeminute.

Auch für die Zukunft hat sich der Landesverband Thüringen eine Menge vorgenommen. So sollen noch in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen in der Reihe „Das besondere Format“ stattfinden sowie drei weitere Filmporträts entstehen. Die Thüringer Buchtage werden, sofern sie stattfinden können, wieder einen starken Auftritt des VS und seiner Autoren erleben. Und auch in Sachen „Poesie und Politik“ laufen die Vorbereitungen, auch wenn sie sich schwierig gestalten. Die seit mehr als 20 Jahren gepflegte Tradition einer Manuskriptwanderunge, 2021 führte sie durch die Berge um Bad Sulza, steht ebenfalls im Kalender und wird um Arnstadt ausgetragen. Nur um die diesjährigen Weihnachtslesungen ist es eher schlecht bestellt – nach zwei Ausfällen in Folge sind die Ausrichter und deren ehrenamtlichen Helfer eher veranstaltungsmüde geworden.

Kerstin Chagoubi, Landesfachbereichsleiterin Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen bei der Verdi, bedankte sich beim Vorstand für die geleistete Arbeit.

Die Wahlen brachten wenig Überraschungen, aber eine Verjüngung. Ingrid Annel und Klaus Jäger kandidierten nicht mehr für den Vorstand. Neu gewählt wurden Sieglinde Mörtel und René Müller-Ferchland, der neue Vorsitzende ist auch der alte und heißt Olaf Trunschke. (kj)

Annerrose Kirchner liest in Gera.

StadtLesen erstmals in Thüringen

Autoren des Schriftstellerverbandes stellen in Gera ihre Texte vor

Annerose Kirchner gehört zu den in Gera lesenden Schriftstellerinnen. Foto: Peter Cott

Ein „Lese-Wohnzimmer“ mit Lesemöbeln und rund 3000 Büchern auf einem zentralen Platz in der Stadt – das ist die Idee hinter „StadtLesen“, einem Literaturfestival, das seit 2009 in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz veranstaltet wird. In diesem Jahr gastiert „StadtLesen“ jeweils vier Tage in 27 deutschen und österreichischen Städten. Die Veranstalter versprechen dabei 74.880 Minuten Lesegenuss. Erstmals dabei ist mit Gera eine Thüringer Stadt. Vom 5. bis 8. Mai wird sich dabei der Museumsplatz in eine temporäre Bücherei verwandeln.

Im Programm stehen gleichermaßen Veranstaltungen für Kinder und für Erwachsene. Es präsentieren sich Verlage und Vereine. Der Freitag gilt als Integrationslesetag, dabei werden unter anderem Texte für Kinder in russischer und ukrainischer Sprache gelesen. Regionale Autoren bekommen die Gelegenheit zur Vorstellung. Und wer sich bislang völlig zurückgehalten hat, das Festival aber als Test für einen öffentlichen Auftritt nutzen möchte – täglich von 13 Uhr bis 14 Uhr gibt es das „Offene Mikrofon“, wo eigene Texte vorgetragen werden können.

Beim öffentlichen Lesen sind auch Autoren des Thüringer Schriftstellerverbandes vertreten. So liest der Verein „Cuba si“ am 6. Mai ab 15 Uhr aus Landolf Scherzers jüngstem Kuba-Buch. Annerose Kirchner stellt am 7. Mai in der Leserunde ab 14.30 Uhr ihren Text „Verschwundene Dörfer“ vor. Und der Erfurter Kabarettist Ulf Annel erfreut mit Liedermacher Björn Sauer zum Familiensonntag ab 17.30 Uhr mit einem Wortkabarett.

Der Veranstalter verspricht ein kleines gastronomisches Angebot vor Ort und weist darauf hin, dass aufgrund des Charakters als Freiluftveranstaltung wetterbedingt Programmpunkte entfallen oder verlegt werden können. (kj)

Verena Zeltner (1951-2022). Foto: Privat

Trauer um Verena Zeltner

Ein Nachruf von Dr. Jens Kirsten, Thüringer Literaturrat

Verena Zeltner (1951-2022). Foto: Privat

Mit dem Tod der Kinder- und Jugendbuchschriftstellerin Verena Zeltner verliert die Thüringer Literaturszene eine wichtige Stimme. Die 1951 in Lausnitz geborene Verena Zeltner lernte Industriekauffrau, studierte Ökonomie und war als Wirtschaftsingenieurin bis 2005 im kaufmännischen Bereich tätig. Nachdem sie bereits seit vielen Jahren neben ihrer beruflichten Tätigkeit literarisch geschrieben hatte, veröffentlichte sie ab 1999 in dem von ihr in Neunhofen b. Neustadt/Orla gegründeten Thami Verlag eigene Bücher.
2006 wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit als freiberufliche Schriftstellerin. Waren ihre ersten Bücher von märchenhaften Inhalten geprägt, so wendete sie sich später mehr und mehr Umweltproblemen zu, etwa in »Prinzessin Fledermaus« (2009) oder in »Ein Himmel voller Schokolade« (2011).
Mehr und mehr interessierte Verena Zeltner sich für die Verfasstheit unserer Gesellschaft, auch im Spiegel ihrer Geschichte. In ihrem zwischen 1961 und heute erzählten Roman »Kornblumenkinder«, deren Helden einst und heute Jugendliche sind, setzte sie sich mit dem Thema der Zwangsumsiedlung in der DDR und insbesondere der »Aktion Kornblume« nach der Errichtung der innerdeutschen Grenze auseinander. In dem Jugendroman »Ein Indianer weint doch nicht« verhandelte sie das Thema des funktionalen Analphabetismus auf einfühlsame Weise. Ganz in diesem Zeichen stand auch ihre Arbeit an dem 2017 erschienen Roman »ICEzeit. In den Klauen des weißen Drachen Crystal«, der aus der Perspektive des 14jährigen Helden Ben erzählt wird und in dem Verena Zeltner sich mit elterlichem Suchtverhalten und den daraus für die Kinder resultierenden Konflikten beschäftigte.
In einer Rezension zu diesem Buch schrieb Dietmar Ebert über ihre Arbeit: »Immer, wenn Verena Zeltner ein ›heißes Eisen‹ anfasst, informiert sie sich gründlich. Lange recherchiert sie, macht sich sachkundig, fragt bei Betroffenen und Experten nach. Hinzu kommt eine schriftstellerische Tugend. Sie mag ihre Figuren und zeichnet sie genau und liebevoll, auch diejenigen, die durch ihr Verhalten andere in Not und Bedrängnis bringen.«
In ihrem 2020 erschienenen Roman »299 Tage« erwacht die 14jährige Sanna aus einer Operationsnarkose und muss feststellen, dass sie keine Stimme mehr hat. Verena Zeltner, die selbst einst eine Stimmbandoperation über sich ergehen lassen musste, schöpfte hier aus eigenen Erfahrungen und verwob diese zu einem spannungsgeladenen, inhaltlich dicht erzählten Jugendroman.
Für die Arbeit an ihren Büchern wurde sie mehrfach mit Stipendien des Freistaats Thüringen und der Kulturstiftung des Freistaats ausgezeichnet. Wiederholt war sie Stipendiatin im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Mit ihren Kinder- und Jugendbüchern schrieb sie sich ins Herz vieler Leserinnen und Leser.
Als Mitglied im VS Thüringen, im Lese-Zeichen e. V. und im Friedrich-Bödecker-Kreises für Thüringen e. V. setzte sie sich engagiert für die Vermittlung von Literatur an Kinder und Jugendliche ein und weckte mit ihren Büchern Lust auf das Lesen. Am Sonntag, dem 3. April 2022, starb Verena Zeltner nach kurzer schwerer Krankheit.

Ausstellungseröffnung

Schreiben aus Leidenschaft

Ausstellung im Landratsamt Greiz würdigt das Werk von Verena Zeltner und Heidi Axel

Ausstellungseröffnung
Eröffnung der Ausstellung. Von links: Pressesprecherin Brit Wollschläger, Heidi Axel, Verena Zeltner und Landrat Thomas Fügmann. Foto: Pressestelle Landratsamt Saale-Orla-Kreis.

Sie hatte schon neun Jahre „Schreibarbeit“ hinter sich und war 44 Jahre alt, als sie mit „Lucie und Thami“ ihr erstes Buch, ein Kinderbuch, veröffentlichte. Nun hat sie den 70. Geburtstag schon hinter sich und kann auf 19 Bücher und weitere Veröffentlichungen verweisen. In einer Ausstellung würdigt das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises jetzt das Schaffen der Schriftstellerin Verena Zeltner. 

Als sie Mitte der 80er Jahre am Kehlkopf operiert werden musste, und danach für fast ein Jahr buchstäblich die Stimme verlor, schwor sie sich: Wenn du das überstehst, fängst du mit dem Schreiben an. Doch es dauerte noch viele Jahre und viele Bücher, bis sie in „299 Tage“ (2020) ihre damaligen Erlebnisse verarbeiten konnte. Das macht „299 Tage“, die Geschichte eines Mädchens ohne Stimme, wohl zu ihrem persönlichsten Buch. Zum erfolgreichsten indes wurde „ICE-Zeit“, ein packendes Jugendbuch, das sich mit der Drogenproblematik beschäftigt, inzwischen in vierter Auflage erschienen ist und viele Tausend junge Leser fand. Seit 2006 ist Verena Zeltner freischaffend. Sie lebt und arbeitet in Neustadt/Orla.

Die Ausstellung im Foyer des Landratsamtes in Greiz zeigt auf Texttafeln und mit Fotos nicht nur den Werdegang von Verena Zeltner. Sie widmet sich gleichermaßen dem Schaffen von Heidi Axel. Auch sie kann als „Spätstarterin“ gelten, entdeckte sie doch erst mit 63 Jahren ihr Talent, Gedichte, Sprüche und Geschichten zu schreiben. 2015 erschien das erste Buch von Heidi Axel.

„Schreiben aus Leidenschaft – Zweiter Beruf: Schriftstellerin“ hat das Landratsamt Saale-Orla-Kreis seine Ausstellung überschrieben. Landrat Thomas Fügmann lobte den Mut der beiden Autorinnen aus dem Saale-Orla-Kreis, ihre Leidenschaft für das Schreiben zum Beruf zu machen sowie ihre vielseitigen bisherigen Werke, insbesondere ihre Bücher für Kinder und Jugendliche. „Wenn man die Jugendlichen mit den richtigen Themen abholt, kann man sie zum Lesen begeistern“, betonte er im Gespräch mit den beiden Schriftstellerinnen. Die Ausstellung ist noch bis Ende April zu sehen (kj).

Antje

Delia-Literaturpreis 2022 für Antje Babendererde

Jugendromanze „Sommer der blauen Wünsche“ überzeugte die Jury

Antje
Für „Sommer der blauen Wünsche“ ist Antje Babendererde jetzt mit dem DELIA-Literaturpreis Junge Liebe 2022 geehrt worden. Foto: Privat

Die Thüringer Schriftstellerin Antje Babendererde ist mit dem DELIA-Literaturpreis Junge Liebe 2022 ausgezeichnet worden. Den Preis erhielt sie für ihren 2021 im Arena-Verlag erschienenen Jugendroman „Sommer der blauen Wünsche“.

In der Begründung der Jury heißt es dazu: „Eine herzerwärmende Liebesgeschichte, die mit einem atemberaubenden und zugleich authentischen Setting verwoben wird. Eine spannende Liebesgeschichte, schnörkellos auf den Punkt gebracht und mit einfühlsamer Sprache gekonnt erzählt. Eine wunderbare Reise in alle Facetten des menschlichen Lebens – ob berauschende Freude, tiefe Traurigkeit, verzehrende Liebe -, die uns zu der Erkenntnis führt, dass all dies und noch viel mehr ein Teil von uns ist, ganz gleich, wie unsere Lebensumstände sich gestalten. Ein wunderschöner Liebesroman, leise und doch kraftvoll, mit vielschichtigen Figuren, wohliger Tiefe und ganz viel Gefühl.“

Die Autorin selbst, die im ostthüringischen Liebengrün beheimatet ist, zeigte sich sehr überrascht von der Ehrung. „Ich habe mich mega gefreut“, sagte sie auf Nachfrage. „Schon mehrfach stand ich auf der Shortlist für diesen Preis, habe mir immer etwas ausgerechnet und ihn nie erhalten. Diesmal jedoch war ich so unsicher – wahrscheinlich wegen meinem „Umzug“ von Kanada nach Schottland. Aber es hat endlich einmal geklappt.“

Seit 2004 kürt die Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren den besten Liebesroman des Jahres. Zusätzlich wird seit 2017 der DELIA-Literaturpreis Junge Liebe vergeben. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 1.500 Euro dotiert. Der Preis wird üblicherweise bei der Leipziger Buchmesse übergeben. Wegen deren erneutem Ausfall konnte die Preisverleihung nicht wie gewohnt im öffentlichen Rahmen stattfinden.

Antje Babendererde wurde 1963 in Jena geboren. Nach Schulzeit und Abitur in Gotha erlernte sie das Töpferhandwerk, arbeitete aber auch als Hortnerin. Seit 1996 ist Antje Babendererde als Schriftstellerin freiberuflich tätig. Aus ihrer Feder stammen mittlerweile annähernd 20 Romane, viele davon behandeln das Leben nordamerikanischer indigener Völker. Mit „Sommer der blauen Wünsche“ wählte sie erstmals Schottland als Schauplatz für ihre Geschichten. Ein zweiter Schottland-Roman wird noch im Herbst dieses Jahres im Arena-Verlag erscheinen. (kj)

Kathrin Groß-Striffler

Stipendium für Kathrin Groß-Striffler

Die Stadt Jena würdigt „analytisches Erzählen ohne angestrengte Metaphern“

Kathrin Groß-Striffler
Kathrin Groß-Striffler. Foto: Privat

Die Jenaer Schriftstellerin Kathrin Groß-Striffler erhält das Walter-Dexel-Stipendium der Stadt Jena für 2021. Das gaben Stadt und Jury dieser Tage bekannt.
Kathrin Groß-Strifflers erzählerisches Werk ist weit über die Grenzen Thüringens im deutschen Sprachraum anerkannt, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt Jena. „Mit ihrer äußerst genauen Sprache, nicht ohne Lakonie, oft mit leisem Humor, vermag sie, die Decke des Alltages aufzuheben. Sichtbar werden die eigentlichen Sehnsüchte, Verletzungen, Ausbruchversuche und Hoffnungen der Menschen. Mit diesem analytischen Erzählen ohne angestrengte Metaphern werden Toleranz und Empathie wichtige Themen.“

Dieses Talent ist auch in der Vergangenheit nicht verborgen geblieben. Schon für ihre erste Erzählung erhielt die 1955 in Würzburg geborene Autorin im Jahr 2000 den Marburger Literaturpreis. Drei Jahre später wurde sie mit dem Alfred-Döblin-Literaturpreis ausgezeichnet. Ihre letzten beiden Romane sind „Der arme Poet“ (2018) und „Gott zürnt“ (2018).

Ihre wichtigen Themen Toleranz und Empathie prägen auch das Leben der Schriftstellerin: So engagiert sie sich seit sieben Jahren in der Flüchtlingshilfe Jena, arbeitet als Integrationslehrerin an der Euro-Schule und leitet eine Schreibwerkstatt für syrische Migranten, deren Ergebnisse im Buch „Hoffnung“ veröffentlicht wurden. 2021 folgt ein Projekt im interkulturellen Treffpunkt „WeltRaum“.

Das Walter-Dexel-Stipendium ist nach dem Maler, Werbegrafiker, Designer und Verkehrsplaner Walter Dexel (1890-1973) benannt, der der Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse gab. Seit 1977 vergibt die Stadt Jena das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium. Der Jury des diesjährigen Stipendiums gehörten neben Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche der Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie Simon Gaudenz, der Direktor der Städtischen Museen Jena und Leiter der Jenaer Kunstsammlung Erik Stephan, der Vorsitzende des Kulturausschusses des Jenaer Stadtrates Dr. Jörg Vogel, der Werkleiter des Eigenbetriebes JenaKultur Jonas Zipf, der Ehrenamtsvorsitzenden des Lesezeichen e.V. Dr. Martin Straub sowie der Leiter Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH Stefan Dreising an. Die Mittel für das Stipendium werden durch die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck zur Verfügung gestellt.

Der Preis kann pandemiebedingt erst im kommenden Jahr vergeben werden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest (kj).

Verena Zeltner. Foto: Privat

Gegen die Sprachlosigkeit

Verena Zeltner legt im Thami Verlag ein neues Buch vor

Verena Zeltner. Foto: Privat

Schon vor Jahren hat sich die Schriftstellerin Verena Zeltner intensiv mit dem Analphabetismus in Deutschland auseinandergesetzt und auch ein Kinderbuch zu diesem Thema geschrieben. Jetzt legt sie nach: „Lass uns Liebe buchstabieren“ heißt ihr neues Buch, das aktuell im Thami Verlag erschienen ist. Dabei verknüpft sie gleich zwei hochaktuelle Thematiken. „Damals war die Rede von cirka vier Millionen Analphabeten in Deutschland“, erinnert sich die Autorin an die Recherchen zum Kinderbuch. „Mittlerweile weisen die Statistiken über sechs Millionen funktionaler Analphabeten aus. Die Pandemie macht es den Betroffenen noch schwerer. So hatten zum Beispiel die Volkshochschulen geschlossen, Alphabetisierungskurse fanden nicht statt.“

Und darum geht es in Verena Zeltners neuem Buch: Der fünfzehnjährige Alex hat es nicht leicht. Neben seiner Schule muss er sich um viele Dinge kümmern, von denen andere in seinem Alter keine Ahnung haben, und das alles nur, weil sein Vater auf Kriegsfuß mit den Buchstaben steht ¬– so wie über sechs Millionen Menschen in Deutschland. Als wegen der Pandemie im Frühjahr 2020 die Schulen schließen und dann auch sein Vater von der Arbeit freigestellt wird, hat Alex eine Idee: Er schlägt ihm vor, den an der Volkshochschule begonnenen Alphabetisierungskurs zu Hause fortzusetzen. Sein Vater ist alles andere als begeistert, aber Alex schafft es, ihn zu überzeugen. So starten sie schließlich den Unterricht – mit einem unerfahrenen Lehrer und einem skeptischen Schüler. Anfangs holpert es mächtig, und überhaupt ist es viel schwieriger und zeitaufwändiger, als Alex sich das vorgestellt hat. Freizeit? Ist fast so etwas wie ein Fremdwort für ihn. Während sein Vater Fortschritte beim Lesen- und Schreibenlernen macht, gestaltet sich Alex’ Leben immer chaotischer: Schuld daran ist die hübsche Stefanie, in die er sich Hals über Kopf verliebt hatte. Stefanie, die ihn sehr verletzt hat und die ihn jetzt bittet, ihr zu helfen. Verständlich, dass er dazu keine Lust hat und sie abblitzen lässt. Sein Leben ist auch ohne sie kompliziert genug. Doch Stefanie gibt nicht so schnell auf …

Lass uns Liebe buchstabieren. Thami Verlag 2021

Das Buch: „Lass uns Liebe buchstabieren“, Thami Verlag Neustadt./O. 2021, Taschenbuch, ISBN 978-3-933988171, 256 Seiten, 14,90 Euro

Die Autorin: Verena Zeltner ist diplomierte Wirtschafts-Ingenieurin und hat stets versucht, die Balance zwischen Arbeit und dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern zu finden. Die ersten Buchveröffentlichungen datieren aus dem Jahr 1999, seit 2006 ist sie freiberuflich als Schriftstellerin tätig. Verena Zeltner ist Mitglied des Schriftstellerverbandes (VS) und Schatzmeisterin im Landesvorstand Thüringen. Sie lebt und arbeitet in Neustadt an der Orla.

 

 

Frank Quilitzsch

Toller Start für Wilhelm aus dem Wald

Frank Quilitzsch legt viel beachteten Reportageband über den Thüringer Wald vor

Frank Quilitzsch
Der Erfurter Schriftsteller Frank Quilitzsch. Foto: Siegfried Nucke

„Wilhelm, wie sieht der Wald wieder aus!“ – Aus gutem Grund kommt der Titel des neuen Buches des Erfurter Schriftstellers Dr. Frank Quilitzsch mit einem Ruf- statt einem Fragezeichen daher. Den Reportageband, für den Quilitzsch ein Jahr lang mit Thüringer Förstern und Baumforschern den Wald durchstreifte, brachte der Bad Tabarzer Verlag „Tasten & Typen“ pünktlich zur Frankfurter Buchmesse auf den Markt. Und dem Buch war ein fulminanter Start beschieden.
Nach einer Vorpremiere am 3. November in der Apoldaer Kreis- und Stadtbibliothek, die dem dortigen Lesecafé einen neuen Besucherrekord bescherte, stellte Quilitzsch das Buch am 8. November in Erfurt vor. Im Rahmen der Erfurter Herbstlese und vor einem ausverkauften Haus feierte der Band im Atrium der Erfurter Stadtwerke seine Premiere. Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne), Thüringenforst-Chef Jörn Ripken und der Oberhofer Forstamtschef Bernd Wilhelm stellten sich dabei neben dem Autor auf großer Bühne den Fragen des Publikums. Der Oberhofer war es auch, der seinen Namen zum Titel des Buches beisteuerte. Seinem Forstamt galt im Februar 2020 die erste Recherche-Reise des Autors. Das Thema Wald ließ ihn von da an nicht mehr los. Frank Quilitzsch streift mit Förstern und Baumforschern durch den Wald, besucht in der Samendarre die Zapfenpflücker, geht mit Hund Hatz auf Jagd (und freut sich immer, wenn nichts geschossen wurde), besucht Klimaforscher und Ranger im Nationalpark Hainich. Seine erste Erkenntnis ist die der Komplexität von Territorium und Thema: Die Thüringer Wälder (Quilitzsch nennt sie seit der Recherche nur noch so) sind viel größer und weitläufiger als das Kernstück, das als touristische Marke das Branding „Thüringer Wald“ trägt.

Das Erscheinen des Buches fand ein breites Medienecho. In den Thüringer Tageszeitungen wurde zum Verkaufsstart berichtet, die digitalen Sonntagszeitungen in Thüringen widmeten dem Buch zwei ganze Seiten, das „Thüringen Journal“ des MDR-Fernsehens legte den Titel in seine „Bücherkiste“, noch vor der Premiere gaben Quilitzsch und sein Verleger Siegfried Nucke Radio Lotte ein Interview, und auch die Lesungen in Erfurt, Apolda, Heiligenstadt und anderen Orts wurden von den Medien begleitet. Wer Frank Quilitzsch dieser Tage live erleben möchte, dem sei ein Besuch in der Stadtbibliothek Mühlhausen (Jacobi 1) empfohlen, wo die Buchhandlung Strecker am Mittwoch, dem 8. Dezember, eine Lesung präsentieren wird – vorbehaltlich der pandemischen Entwicklung und ihrer Restriktionen. Weitere bereits jetzt geplante Lesungen finden im kommenden Jahr statt: Burg Ranis (12.01.), Stadtbibliothek Sonneberg (02.03.), Stadtbibliothek Gera (09.03.), Kukuna Bad Tabarz (11.03.), Augustinerkloster Erfurt (15.03.) und Stadtbibliothek Bad Liebenstein (31.03.).
Auch der Verkauf des Buches ist außergewöhnlich gut gestartet, freuen sich der Autor und sein Verleger. Siegfried Nucke hat inzwischen die zweite Auflage in Druck gegeben, die er Mitte des Monats erwartet, sodass die Vorbestellungen noch vor dem Weihnachtsfest bedient werden können.

Das Buch: „Wilhelm, wie sieht der Wald wieder aus!“, Verlag Tasten & Typen Bad Tabarz 2021, fadengeheftete Klappenbroschur, ISBN 978-3-945605-48-6, 348 Seiten, 16,80 Euro.

Der Autor: Dr. Frank Quilitzsch wurde 1957 in Halle/Saale als Sohn eines Diplomaten geboren. Er ging in Moskau, Potsdam-Babelsberg und Falkensee zur Schule. Einem Studium der Germanistik in Jena schloss sich ein Forschungsstudium an. 1985 wurde Quilitzsch an der Universität Jena promoviert. Er unterrichtete deutsche Sprache und Literatur in Syrien (1987/88) sowie an der Universität Nanjing in China (1989/90). Von der Wende bis zum Jahr 2021 war Frank Quilitzsch Kulturredakteur der Thüringischen Landeszeitung. Er ist Autor verschiedener Bücher, so von drei Bänden „Dinge, die wir vermissen werden“ und des Gesprächsbandes „Ich Faust – Thomas Thieme“, dem ein zweiter Band „Ich Hoeneß Kohl“ über den Schauspieler Thomas Thieme folgte.

Der Verlag: Der Verlag „Tasten & Typen“ wurde 2014 von Siegfried Nucke in Bad Tabarz gegründet. Er konzentriert sich auf die Entwicklung und Verbreitung belletristischer Bücher für den deutschsprachigen Raum. Zu den Autoren zählen unter anderem die Thüringer Schrifstellerinnen und Schriftsteller Ingrid Annel, Anne Gallinat, Klaus Jäger, Johanna Marie Jakob, Frank Quilitsch, Pauline Werner und Verlagsleiter Siegfried Nucke selbst.

(kj)

 

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Kleingedrucktes im Erfurter Theater

Gespräch über Literatur mit René Müller-Ferchland und Kammersänger Máté Sólyom-Nagy

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Der Schriftsteller René Müller-Ferchland vor dem Kulturquartier Erfurt. Foto: Privat

„Niemanns Kinder“, der neue Roman von René Müller-Ferchland aus dem Proof-Verlag Erfurt, steht am 22. Oktober im Mittelpunkt eines Literaturgespräches im Erfurter Theater. Gemeinsam mit Kammersänger Máté Sólyom-Nagy wird der Thüringer Schriftsteller René Müller-Ferchland über Literatur plaudern uns seinen Roman vorstellen. Wechselseitig werden dabei auch Stellen aus dem Roman gelesen. Einem Roman, der die 16-jährige Marta Niemann auf der dramatischen Suche nach ihrem Vater Daniel begleitet. Der MDR lobte: „… ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Roman. Allein die Figurenkonstellation ist meisterhaft konzipiert. Schon im zweiten Kapitel dämmert dem Leser: Bei Familie Niemann liegt Einiges im Argen.“

Der literarische Abend beginnt um 19.30 Uhr im Café Cactus des Theaters Erfurt. Mit diesem Café, hervorgegangen aus den Projekten der „Studio.Box“ hat das Theater im Herbst 2020 eine Kleinkunstbühne geschaffen, vor der die Gäste zwanglos an Caféhaustischen Platz nehmen können. Kooperationspartner ist die Erfurter Buchhandlung „kleingedrucktes“, die das Café Cactus regelmäßig als Lesebühne nutzt.

Karten für den Abend mit René Müller-Ferchland und Máté Sólyom-Nagy gibt es zum Preis von 16,50 Euro über den Webshop von Eventim und im Theater Erfurt. (kj)