Geboren 1951 in Leipzig , in Zella-Mehlis aufgewachsen; Lehre als Steno-Phonotypistin; 1970-1976 Tätigkeit in diesem Beruf und als Tastomatensetzerin beim "Freien Wort" in Suhl; seit 1974 erste Prosa- und Lyrikveröffentlichungen; 1976-1979 und 1...
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Neben gemauerten Steilwänden
mürber Porphyr,
den das Wetter spaltet und ausbricht.
Die Fugen ungesagte Worte.
Nimmst du sie noch wahr,
wenn dein Auge nur sich selbst schaut.
Über steinerne Stufen
stößt das Wasser der Brandleite.
Stolz widersetzt sich’s im Fall,
sammelt seinen Schaum im Gestein.
Auf meinen Schultern
trag ich die Dunkelheit.
Unter mir im Gleisbett
das Geheimnis der ForellenBrandleite-Tunnel
Neben gemauerten Steilwänden
mürber Porphyr,
den das Wetter spaltet und ausbricht.
Die Fugen ungesagte Worte.
Nimmst du sie noch wahr,
wenn dein Auge nur sich selbst schaut.
Über steinerne Stufen
stößt das Wasser der Brandleite.
Stolz widersetzt sich’s im Fall,
sammelt seinen Schaum im Gestein.
Auf meinen Schultern
trag ich die Dunkelheit.
Unter mir im Gleisbett
das Geheimnis der Forellen.
Die verschütteten Felsläufe
spülen sie durch das Bergmassiv.
Von einer Welt stoße ich in die andre.
Minuten dehnen sich
oder verlieren ihre Sekunden.
Der Stein nimmt meine Rede auf.
Im Licht verharrt der Wald,
dreht sich die Welt mit mir
um die eigne Achse.
(1972/1977)
aus: Keltischer Wald. Gedichte, quartus-Verlag, Bucha b. Jena 2001.
Geboren 1951 in Leipzig , in Zella-Mehlis aufgewachsen; Lehre als Steno-Phonotypistin; 1970-1976 Tätigkeit in diesem Beruf und als Tastomatensetzerin beim "Freien Wort" in Suhl; seit 1974 erste Prosa- und Lyrikveröffentlichungen; 1976-1979 und 1...
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Die Kipper sitzen in der kleinen Baracke, die ein Kanonenofen, Marke Eigenbau, einigermaßen durchwärmt. Nachtschicht von um Zehn bis um Sechs, sieben Tage die Woche, rollende Schicht. Alle Viertelstunden rollt ein Lorenzug ein. Träge erhebt sich die Mannschaft, streift Wattejacken und Handschuhe über und zieht die Mützen fest über die Ohren, um in der klirrenden Kälte die vereisten Loren mit Brechstangen auszulösen. Wenn die Kraftwerksasche zu naß ist, keuchen vier Mann an einer Stange und heben sich fast einen Bruch. Die leichteren bewältigt einer mit einer Hand. Außer uns beiden haben alle die Kipperprüfung abgelegt. Dazu muß der Prüfling einen vierhundert Meter langen Aschezug ganz allein abkippen. Prüfung bestanden. Fast möchte ich fragen, ob je einer durch die Prüfung gefallen ist. Verbrenne mir lieber nicht das Maul. Bis auf uns und den Brigadier haben fast alle Arbeitsplatzbindung. Hier gilt Devise: erst mal Schnauze fassen, wenns wieder pfeift. Die nächste Lok keucht heran, die Hälfte der Loren bleibt oben, wie immer. Bernhard stellt sich uns am ersten Tag in der neuen Schicht vor: „Ich komme aus Dipps und ich hatte als Kind mal Phimose.“ Niemand bemerkt das Groteske der Situation. Apathisches Schweigen. Harald ist ein notorischer Trinker. Nach der Schicht beobachten wir ihn einmal wie er vor dem Werksgelände in eine Telefonzelle schleicht, eine Flasche Korn aufschraubt und auf Ex leert. Ein Rest Schamgefühl bleibt, nur daß die Telefonzelle keine Privatsphäre bietet. Wählen Sie 07! Ein Notruf, den keiner hört. Auch sonst trinken alle, nur nicht während der Schicht. Was aber wenig nützt, wenn man sternhagelvoll zur Arbeit trudelt und dann versucht, die volle Aschengrube zu überqueren, wie Pepe, acht Wochen vor unserer ersten Schicht. Die Grube ist dreizehn Meter tief, die Asche wie flüssig, keine Aussicht auf Rettung. Du erstickst, bevor du unten ankommst. Dem Grubenrand kommt keiner freiwillig zu nahe, wenn wir in der Mitte der Schicht die veraschten Geleise ausschaufeln, zwischen Zug und Zug.
In der Baracke will kein Gespräch aufkommen, jeder hängt seinen Gedanken nach und versucht ein wenig zu dösen, den Kopf auf der Tischplatte oder an die Barackenwand gelehnt. Nur der Ruf des Brigadiers gegen Zwei belebt den verräucherten und verqualmten Raum: „Buggurschtauto kummt!“ Wir tappen in die Nacht und scharen uns um den Kantinenwagen, der heißes Essen und Getränke an die einzelnen Arbeitsplätze im Tagebau liefert. Unumstritten der Höhepunkt einer jeden Schicht. Am Morgen setzen PKT und ich, auf dem Panzer und hier ein Gespann, uns in eine Ecke zwischen aufgetürmten Eisenunrat und schnippen den Kronkorken von einer Flasche Kumpeltod, mit dem uns die Kollegen versorgen, sie haben besseres. Vom zerstückelten Rhythmus der Nacht sind wir gerädert und verschaffen uns so die nötige Müdigkeit, bevor wir mit unseren Kameraden auf die Pritsche des Lastwagens klettern, alle etwas taumelig. Keiner redet ein überflüssiges Wort.
Geboren 1967 Weimar, Ausbildung und Arbeit als Möbelpolsterer in Weimar, ab 1990 in München; Besuch der Fremdsprachenschule der Landeshauptstadt München; Studium der Lateinamerikanistik, Altamerikanistik und Linguistik in Berlin, 2004 Dr. phil....
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Siegfried Nucke wurde 1955 in Nordhausen geboren. Aufgewachsen in Waltershausen, legte er das Abitur 1974 an der Salzmannschule Schnepfenthal ab und studierte anschließend Germanistik und Geschichte. 1978 begann er in Waltershausen als Lehrer zu ...
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Baden im Toten Meer. Da gibt es eine Badestelle. Natürlich mit Eintritt. Vier Euro. Ganz modern. Aber nur dies. Zum gruppendynamischen Umziehen ruft eine zweigeteilte Bretterbude, in der Mann die knackenden Gelenke der Damen hören kann.
Am schwarzen, steinigen Ufer des Sees gibt es keine Vegetation. Ein paar ergraute Plastikstühle stecken im Schlick. Die Farbe des Wassers geht ins Opal mit leichtem Gelbstich. Es riecht ein wenig eigenartig.
Im Gänsemarsch waten wir im Flachen herum, gehen nach Anweisung kichernd in die Knie und gleiten dann rückwärts aufs Wasser. Einen Moment herrscht überwältigte Stille. Wir schwimmen wie Korken. Das Wasser hinterlässt bei dreiunddreißig Prozent Salzgehalt einen öligen Film auf der Haut.
Mehrere Versuche, sich auf den Bauch zu drehen, scheitern. Auf dem Bauch liegend die Waden in die Luft zu recken, hilft. Auf dem Rücken ganz lang auf dem Wasser zu liegen ist so entspan- nend, dass ich unaufmerksam werde. Beim Aufrichten läuft mir Wasser von der Stirn übers Ge- sicht auf die Lippen. Ich spucke, bekomme aber doch etwas in den Mund. Die Lippen sind taub. Im Mund ists ekelhaft bitter. Nichts hilft dagegen. Nur langes Spülen mit fließendem Süßwasser schafft langsam Linderung.
So steh ich hier und kann nicht anders. Trotz des Bades faltig und ergraut. Denn ich vergaß, das Elixier der Jugend, den glitschig-toten Schlamm, auf welkem Körper zu verreiben.
aus: „Israel 2007 – Augenblicke, Aussichten, Passagen“, DVD, Hg. Lese-Zeichen e.V., Jena 2009.
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Die Gruppenführung durch die Hauptausstellung in der Gedenkstätte Yad Vashem findet besonders ausführlich statt, ausführlich genug für die vielen Besucher aus aller Welt, die mit gerin- gen Vorkenntnissen anreisen, zu ausführlich für die bestens mit Wissen und Gewissen ausgestat- teten deutschen Bildungsbürger.
Schwer erschöpft von der umfassenden Wiederholung allen Grund- und Spezialwissens deutscher Gräuel betrete ich danach unvorbereitet den eigens eingerichteten Raum der Kindergedenkstätte. Ein enger Weg zwischen gebrochenen Natursteinstelen führt in eine Kaverne, in der es keine Orientierung gibt. An der Wand entlang gibt einzig ein Geländer den Weg vor und ist Stütze zugleich. Aus absoluter Dunkelheit heraus in den Hauptraum gelangt, zieht mir ein schier endloses Firmament kleiner Flammen den Boden unter den Füßen weg. Doch meine Tränen können sie nicht löschen, sie sind die millionenfache Verspiegelung dreier Kerzen auf einem ver- glasten Sockel in der Mitte des Würfels. Meine Tränen können sie nicht löschen, weil sie virtuell ewig sind, für die 1,5 Millionen jüdischen Kinder, die Menschen mit eigenen Kindern auszulöschen imstande waren. Ein Jahr lang müsste ich in dieser Gedenkstätte aushalten, um alle Namen der Opfer einmal zu hören. Das kann ich nicht. Aber ich nehme die große Spiritualität dieses Raums dankbar mit.
aus: „Israel 2007 – Augenblicke, Aussichten, Passagen“, DVD, Hg. Lese-Zeichen e.V., Jena 2009.
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Hier endet die Via Dolorosa in einem Parcours. Nachdem die Pilger sich bergan durch die Altstadt gekämpft haben, erreichen sie die Grabeskirche. Das römisch-katholische und griechisch- orthodoxe und armenische und äthiopische und koptische und syrische Gotteshaus ist direkt über den letzten fünf Stationen Christi Heimgang aufgebaut. Rund um den Nabel der Welt bewachen die verschiedenen christlichen Stilrichtungen eifersüchtig konsequent ihre Besitztümer. Entsprechend angespannt führt auch ein junger griechisch-orthodoxer Geistlicher ein harsches Regime über die lange Warteschlange am Golgotafelsen. An Heiligkeit ist der Kreuzigungsstelle nur noch das Grab Christi ebenbürdig. Menschen jeden Alters und Gewichts kriechen unter den Altar, um die Stelle aller Stellen zu berühren. In Betrachtung so viel Glaubens, so viel religiöser Verzückung erscheint das eigene Dasein leer. Schreiende Kleinkinder wie auch alle nur denkbaren Erscheinungsformen von Tinnef werden heilbringend auf dem Salbungsstein gerieben. Die Grabkapelle inmitten einer großen Rotunde bewachen gut gelaunte armenische Mönche und desinfizieren jeden, der anders scheint als sie, mit Weihrauch. Dadurch ist alles im Raum mit einer dunklen Patina überzogen und in der Düsternis die fünfzig Meter hohe Kuppel kaum zu sehen. Nach einer Stunde Wartezeit bin ich schon drinnen. Heute ist kein höherer Feiertag und es ist kurz vor Feierabend. In der vorberaumten Engelskapelle spricht mich ein Mönch spontan auf Deutsch an und zählt einige rheinische Fußballvereine auf. Verwirrt stehe ich dann vor einem Nachbau des heiligen Objekts – wie so oft in Israel.
aus: „Israel 2007 – Augenblicke, Aussichten, Passagen“, DVD, Hg. Lese-Zeichen e.V., Jena 2009.
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Geboren 1955 in Riesa/Elbe, seit 1959 in Suhl/Thüringen, erste literarische Arbeiten und Lieder 1972/73, Studium der Gerätetechnik in Ilmenau 1973 - 1977, Dipl.-Ing., Arbeit in Unternehmen in Dresden, im Erzgebirge und in Suhl, 1990 - 1993 Redak...
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Siegfried Nucke wurde 1955 in Nordhausen geboren. Aufgewachsen in Waltershausen, legte er das Abitur 1974 an der Salzmannschule Schnepfenthal ab und studierte anschließend Germanistik und Geschichte. 1978 begann er in Waltershausen als Lehrer zu ...
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Auszug aus dem Roman „Inhalt äußerst bedenklich“.
Johanna Marie Jakob, Jahrgang 1962, lebt unter dem Namen Simone Knodel am Fuße des Harzes. Über ihrem Heimatdorf Großlohra liegt die Burgruine Lohra (altdeutsch: Lare), häufiger Schauplatz ihrer Romane. Sie unterrichtet an einem Nordhäuser Gy...
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Gespräch mit Volker Henning, Verleger des Romuh Verlags.
Geboren 1949 in Schmalkalden, Studium an der TU Dresden zum Dipl.-Ing.-Pädagogen, bis 1991 Berufschullehrer in Schmalkalden, hiernach bis 2009 stellvertr. Ordnungsamtsleiter im LRA Wartburgkreis, heute Altersrentner, 2009 Pensionierung, 2011 GrÃ...
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Siegfried Nucke wurde 1955 in Nordhausen geboren. Aufgewachsen in Waltershausen, legte er das Abitur 1974 an der Salzmannschule Schnepfenthal ab und studierte anschließend Germanistik und Geschichte. 1978 begann er in Waltershausen als Lehrer zu ...